Van Barneveld gelingt bei WM in London zum 2. Mal ein „9-Darter“
Was für den Golfer das „Hole in one“, ist der „9-Darter“ für die Asse im Pfeilewerfen: Das perfekte Spiel also, das nur ganz selten gelingt. Mit neun Darts von 501 Punkten auf null, dieses Kunststück gelang Raymond van Barneveld in der 2. Runde bei der WM in London.
Gefühlsausbrüche sind Dart-Profis eigentlich völlig fremd. Hochkonzentriert spulen sie normalerweise ihr Pensum vor der 2,37 Meter entfernten Scheibe ab. Allenfalls ein leichtes Zucken in den Mundwinkeln begleitet besonders gute oder ganz schlechte Würfe. Wer jedoch den ausgelassenen Jubeltanz des Zwei-Zentner-Mannes nach seinem von 7000 Fans im ständig ausverkauften Alexandra Palace euphorisch gefeierten „9-Darter“ erlebt hat, dem erschließt sich die Bedeutung dieser höchsten Weihe im Dartsport. Der Holländer mit Spitznamen „Barney“ war es auch, der vor Jahresfrist an gleicher Stelle erstmals diesen mit 25 000 Pfund (ca. 28 000 Euro) prämierten Husarenstreich bei einer WM vor laufenden TV-Kameras schaffte.
Van Barneveld zählt bei den mit einer Million Pfund (ca. 1,1 Millionen Euro) dotierten World Darts Championships wieder zu den haushohen Favoriten. Neben dem 14-fachen Titelträger und absoluten Superstar der Szene, Phil „The Power“ Taylor - der Engländer verdiente alleine in 2009 satte 800 000 Euro Preisgeld -, ist der 42-jährige gelernte Postbote aus Den Haag das Aushängeschild des Dartsports. Und die immer größer werdende Fangemeinde wünscht sich am 3. Januar eine Neuauflage des Traumfinales zwischen den beiden topgesetzten Spielern um die Siegprämie von 200 000 Pfund (ca. 220 000 Euro). Bislang mussten weder Titelverteidiger Taylor noch Vorjahres-Vize van Barneveld auf ihrem Weg ins Achtelfinale einen einzigen Satz abgeben.
Deutsche Profis spielen auf der hauptsächlich von Briten dominierten internationalen Bühne allenfalls Außenseiterrollen. Als letzter Vertreter bei der WM zog Jyhan Artut aus Holzminden in der 2. Hauptrunde gegen den Schotten Robert Thornton mit 1:4 Sätzen den Kürzeren. Dennoch steigt auch hierzulande das Interesse am Dartsport rasant. Der live übertragende Sender DSF verzeichnete zuletzt beim WM-Finale bis zu eine Million Zuschauer. Und in der Region dürfte es ohnehin etliche van-Barneveld-Fans geben. Der Holländer war nämlich im Mai als Stargast beim Niederbayern-Cup in Ruhstorf vertreten. Ein „9-Darter“ allerdings war damals selbst ihm nicht gelungen.